Knieschmerzen: Wieder golfen dank künstlichem Gelenk

24.08.2018

Bildquelle: pixabay/markusspiske

Stechende Knieschmerzen, Schwellungen und Gangunsicherheiten behindern nicht nur im Alltag, sondern verwandeln auch jeden Schlag auf dem Golfplatz zur mühsamen Qual. Unser Kniespezialist PD Dr. Andreas Oberholzer erklärt im Interview mit dem Golf Leader Magazin, woher die Schmerzen im Knie kommen und welche Therapien dagegen helfen können.

DOKTOR OBERHOLZER, WELCHE ROLLE HAT DAS KNIE IM MENSCHLICHEN KÖRPER?
Das Knie ist das grösste Gelenk des Menschen. Die Roll- und Gleitbewegungen des Kniegelenkes sind sehr komplex und werden durch das Zusammenspiel von Muskulatur, Bändern, Sehnen sowie beiden Menisken und Knorpeln ermöglicht. Wenn eine dieser Komponenten im Knie nicht mehr richtig funktioniert, sei es durch einen Unfall oder Abnutzung, können Schmerzen und sogar Gangunsicherheit (Instabilität) auftreten. Dies beeinträchtigt dann nicht nur die Fortbewegung auf dem Golfplatz, sondern auch die Qualität des Schlages.

WAS IST DER GRUND FÜR KNIESCHMERZEN BEIM GOLFEN?
Beim Golfen wird das Knie je nach Bewegung unterschiedlich stark belastet. Während der Schwungphase kommt es auf die Drehbeweglichkeit des Kniegelenks an. Läuft man bergauf, nimmt der Druck auf das Gelenk zu, da auf ihm das Sechsfache des Körpergewichts lastet. Verspürt man dabei einen stechenden Schmerz im Knie, könnte beispielsweise der Meniskus betroffen sein. Er ist wie ein Puffer zwischen Ober- und Unterschenkelknochen – einerseits schützt er den Knorpel, andererseits sorgt er dafür, dass die Kraft gleichmässig auf den Unterschenkel verteilt wird. Ein Meniskusriss kann mit Physiotherapie behandelt werden. Schmerzauslösende Bewegungen, wie zu tief in die Hocke gehen oder Drehbewegungen, sollte man natürlich vermeiden.

WELCHE URSACHEN HABEN BELASTUNGSABHÄNGIGE DUMPFE SCHMERZEN UND SCHWELLUNGEN IM KNIE?
Bei dumpfen, ziehenden Schmerzen und geschwollenen Knien handelt es sich meist um eine Abnutzungserscheinung des Knorpels, sprich Arthrose. Dadurch sind manche Stellen im Kniegelenk nicht mehr mit dem schützenden Knorpel bedeckt. Im Gegensatz zum Knorpel besitzt der Knochen Nerven, welche die belastungsabhängigen Gelenkschmerzen verursachen. Zusätzlich verursacht die Arthrose einen Abrieb, welche die Schleimhaut reizt. Neben der daraus resultierenden Schleimhautentzündung produziert diese mehr Gelenkflüssigkeit, mit der Folge, dass das Kniegelenk schmerzhaft anschwillt.

Das Knie von vorne: Das Röntgenbild zeigt eine fortgeschrittene Arthrose. Dieser Patient kann damit nicht mehr Golf spielen. (Bildquelle: ZVG vom Zentrum für Gelenk- und Sportchirurgie)

KANN MAN TROTZ SCHMERZHAFTER KNIEARTHROSE NOCH GOLF SPIELEN?
Ja und nein. Wenn die Kniearthrose noch nicht so weit fortgeschritten ist, können die Beschwerden konservativ, das heisst ohne Operation, behandelt werden: Physiotherapie, Akupunktur, Schuheinlagen, Kniebandagen, Schmierspritzen, Eigenbluttherapie, knorpelunterstützende Mittel und Schmerzmittel. Diese lindern die Arthrosebeschwerden und verlangsamen die Knorpelabnutzung, aufhalten kann man die Kniearthrose damit aber nicht. Bleiben die Beschwerden weiterhin bestehen, ist eine Operation ratsam: z. B. eine Gelenkspiegelung oder ein gezielter Knochenbruch, welcher die abgenutzte Belastungszone im Kniegelenk auf eine bessere Stelle verlagert. Ist die Arthrose zu weit fortgeschritten, hilft nur noch ein künstlicher Oberflächenersatz wie ein künstliches Kniegelenk.

Das Knie nach der Operation - mit küstlichem Kniegelenk, aber ohne Schmerzen. (Bildquelle: ZVG vom Zentrum für Gelenk- und Sportchirurgie)

IST ES MÖGLICH, MIT EINEM KÜNSTLICHEN GELENK GOLF ZU SPIELEN?
Natürlich. Ich kenne viele Golfer, die ein künstliches Kniegelenk haben und nach der Operation wieder schmerzfrei Golf spielen konnten. Manche haben sogar ihr Handicap verbessert. Wichtig sind ein erfahrener Orthopäde und eine fundierte Untersuchung der betroffenen Gelenke. Mit der richtigen Therapie ist auch der Gang über den Golfplatz kein Leidensweg mehr.

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