Ellenbogenarthrose

Ursache | Symptome und Schmerzen | Diagnose | Konservative Behandlungen | Operative Behandlungen

WIE ENTSTEHT EINE ELLENBOGENARTHROSE?

Die Arthrose bezeichnet die Abnützung des Gelenkknorpels. Dadurch gleiten die Gelenkpartner nicht mehr schön aneinander. Wie bei der Schulter gibt es auch am Ellenbogen viele Ursachen für eine Arthrose.

Knochenbruch

Die mit Abstand häufigste Ursache ist der Unfall. Kommt es zu einem Knochenbruch, bei dem die Bruchlinie durch das Gelenk geht, ist dieser häufig verschoben. Es entsteht ein «Graben» (Defekt) oder gar eine Stufe im Gelenkknorpel. Dadurch stimmen die beiden Gelenkpartner nicht mehr überein, und es kommt zum Abreiben des Knorpels. Besonders bei Jugendlichen kann bei einem Sturz ein Stück des Knorpels ausbrechen, eine sogenannte Osteochondrosis dissecans (OCD). Wenn das Knorpelstück nicht verschoben ist, kann man Glück haben, und es heilt wieder ein. Wenn es sich aber aus seinem Knorpelbett gelöst hat, besteht ebendort ein Knorpeldefekt, und dieser wird eine Arthrose auslösen. Das abgebrochene Stück bleibt im Gelenk liegen und kann als Fremdkörper, eine sogenannten Gelenksmaus, ebenfalls stören und eine Arthrose verursachen.

Gelenkrheuma

Zum Glück können die rheumatischen Gelenkserkrankungen heute medikamentös behandelt werden. Deshalb kommen die Spätfolgen, nämlich die rheumatische Arthrose, nur noch selten vor. Das echte (seropositive) Rheuma ist eine schwere Krankheit, die durch Immunzellen aus der Gelenkinnenhaut, der Synovia vermittelt wird. Der Gelenkknorpel ist also nicht eigentlich krank, sondern Opfer der Krankheit. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Einen Grund für die Erkrankung kennt man nicht, aber es gibt Hinweise, dass sie schon seit vielen tausend Jahren die Menschheit plagt.

Arthritis

Daneben gibt es aber auch Arthrosen, die sich wie ein Rheuma präsentieren, aber keines sind: die seronegativen Arthritiden; allen voran die Gicht, eine recht häufige Erkrankung, die ein bisschen mit unserem Lebensstil zu tun hat. Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes, Alkohol und viel Fleisch begünstigen die Ablagerung von Uratkristallen in den Gelenken. Dort wirken diese wörtlich wie Sand im Getriebe. Glücklicherweise ist der Ellenbogen nur in ca. 30 Prozent aller Gichtpatienten betroffen. Die Pseudogicht bewirkt dasselbe, bedient sich aber anderer Kristalle, der Pyrophosphaten. Weiter können auch chronische Darmerkrankungen oder die Psoriasis Gelenksbeteiligungen verursachen.

Einblutungen

Auch Einblutungen in das Gelenk, zum Beispiel bei der Bluterkrankheit, können eine Arthrose auslösen.

Infektionen

Eine sehr gefürchtete Ursache für eine Gelenkzerstörung ist die Infektion. Kommen Bakterien ins Gelenk, sind sie nur sehr schwer zu behandeln. Nicht nur «verstecken» sich die Bakterien im Knorpel, sondern die Antibiotika kommen auch nur schwer dahin, denn der Knorpel hat keine eigene Blutversorgung. Gibt man die Antibiotika direkt ins Gelenk, stören sie wiederum den Knorpel erheblich. Deshalb enden Gelenksinfektionen häufig mit einem Gelenkersatz. Leider sind es gerade die immunmodulierenden Medikamente der rheumatoiden Arthritis, die Infektionen begünstigen können.Anatomie des Ellenbogens

WELCHE UNTERSCHIEDLICHEN BESCHWERDEN VERURSACHT DIE ELLENBOGENARTHROSE?

Die Symptome einer Arthrose können sehr stark variieren, und es ist immer wieder erstaunlich, wie gut Patienten mit einem fast zerstörten Gelenk leben können.

Gelenksteife

Sie ist eines der Hauptsymptome einer Arthrose. Weil die Knorpelschicht der Gelenkpartner nicht mehr geschmeidig gleitet, wird die Beweglichkeit erschwert und das Gelenk wird steif. Das kann unter Umständen mit wenig Schmerzen geschehen oder auch sehr schmerzhaft sein. Meistens ist zuerst das Strecken am Ellenbogen beeinträchtigt. Fehlen ca. 30 Grad Streckung, wird der Arm im Vergleich zur Gegenseite zu kurz. Ist der Bewegungsumfang am Ellenbogen auf weniger als 100 Grad reduziert, ist man im Alltag beeinträchtigt.

Entzündung

Die Arthrose führt im Gelenk zur Entzündung, der Arthritis. Diese kann die fünf typischen Zeichen der Entzündung allesamt zum Ausdruck bringen:

  • Schmerzen: Was Sie bestens vom Sonnenbrand kennen, gilt auch im Gelenk − die Entzündung tut weh.
  • Schwellung: Das Gelenk ist geschwollen, und häufig gibt es im Gelenk einen Erguss. Auch dadurch ist die Beweglichkeit reduziert.
  • Überwärmung: Daher wird der Begriff Entzündung verwendet. Um dem Geschehen Herr zu werden, erweitert der Körper die Blutgefässe, sodass eine bessere Durchblutung erfolgt. Daher kommt es zu den obigen Symptomen.
  • Rötung: Sie ist ebenfalls eine Folge der erhöhten Durchblutung und häufig das sichtbarste Zeichen der Entzündung.
  • Funktionsverlust: Obige Symptome führen dazu, dass das Gelenk nicht mehr normal gebraucht werden kann.
Instabilität

Erst wenn eine Arthrose fortgeschritten ist, kann es sein, dass die stabilisierenden Weichteile, insbesondere die Bänder an Innen- und Aussenseite, nicht mehr genügend halten und es nebst allem anderen zu einem Lottergelenk kommt.

WIE WIRD DIE ELLENBOGENARTHROSE FESTGESTELLT UND UNTERSUCHT?

Wie immer bei einem seriösen Arzt, wird man sich zuerst für Sie Zeit nehmen und Ihre Beschwerden erfragen. Wichtig ist, herauszuarbeiten, ob Sie vor allem durch Schmerzen oder durch eine schlechte Funktion beeinträchtigt sind. Aber es gibt noch sehr viele weitere Informationen, die für die korrekte Diagnose und Behandlung nötig sind: Was arbeiten Sie, welchen Sport machen Sie, welche Erwartungen haben Sie, gibt es weitere Erkrankungen, Unfälle oder andere wichtige Faktoren usw.? Man sollte nicht vergessen, dass das Gespräch auch dem Kennenlernen und dem gegenseitigen Vertrauen dient.

Weil das Ellenbogengelenk direkt unter der Haut liegt, kann sehr vieles schon durch Betrachten festgestellt werden. Hinzu kommt das Ertasten des Gelenks und eventuell der Schmerzen. Weiter muss die Beweglichkeit geprüft werden. Wichtig ist auch die Prüfung der Stabilität, die sehr sorgfältig erfolgen muss. Und dann kommen spezielle Tests zum Einsatz, die Auskunft über die Funktion des Gelenks geben. Sie können recht eigenwillig sein, wie zum Beispiel, einen Stuhl an der Lehne anzuheben.

Röntgen und MRI

Das Röntgenbild zeigt die Situation des Knochens im Gelenk und ist das wichtigste Diagnostikum am Ellenbogen. Nicht nur gibt es Informationen zu den einzelnen Knochen, der Stellung zueinander und den Achsen, sondern es zeigt auch die Arthroseveränderungen sehr deutlich. Das können ein Überbein, Verkalkungen, unregelmässige Gelenkflächen oder Knochenzysten sein.

Das MRI hat den grossen Vorteil, dass es zum einen die Weichteile rund um ein Gelenk abbilden kann, zum anderen auch den Gelenkknorpel. Dies, weil es den Wassergehalt der Gewebe aufzeigt, und dieser ist im Knorpel hoch. Dadurch können schon frühe Veränderungen diagnostiziert und entsprechend behandelt werden. Und zum Teil kann man damit Begleiterscheinungen von der eigentlichen Arthrose unterscheiden.

WELCHE THERAPIEN GIBT ES FÜR EINE ELLENBOGENARTHROSE?

Genauso vielfältig wie die verschiedenen Arthroseformen sind auch deren Therapien. Wenn immer möglich möchte man natürlich die zugrunde liegende Krankheit beseitigen (z. B. das Rheuma), damit die Arthrose an der Ursache behandelt ist. Leider ist das oft nicht so einfach. Und gelegentlich ist auch ein Grundproblem behoben, aber die Arthrose bleibt. Auf diese krankheitsspezifischen Behandlungen wird hier nicht eingegangen.
Grundsätzlich gibt es stets zwei Behandlungsmöglichkeiten:

Konservative Behandlungen

Das Erste, was man meist schon automatisch macht, wenn ein Gelenk weh tut, ist, dass man es ruhigstellt. Ein akuter Reiz kann so abheilen, und die Symptome bessern sich. Nun sollte ein Gelenk aber nicht über längere Zeit ruhiggestellt werden, da es sonst steif wird. Deshalb ist es wichtig, die alltäglichen Verrichtungen weiter zu erledigen, aber so, dass das Gelenk dabei geschont wird. Entlastung ist ein Teil der Schonung. Leider geht sie aber oft vergessen, sobald ein akuter Schmerz abklingt. Man freut sich über die Besserung und geht sofort wieder zum Tennis – und schon kommen die Schmerzen unvermindert zurück. Es ist deshalb oft wichtig, seinen Alltag so anzupassen, dass man das Gelenk nicht wieder überlastet.

Schmerzmittel

Sie sind ein wichtiger Teil der ersten Behandlung. Nicht nur wegen des Komforts eines schmerzfreien Daseins, sondern auch, um die Entzündung, die meistens vorhanden ist, zu bekämpfen. Es ist meist sinnvoll, Schmerzen schon beim Entstehen gründlich zu bekämpfen. Man braucht dann oft insgesamt weniger Schmerzmittel – es ist einfacher, ein kleines Flämmchen zu löschen als einen Grossbrand.

Es gibt sehr viele verschiedene Schmerzmittel, die zum Teil gleich, zum Teil auch ganz unterschiedlich wirken. Gemeinsam haben sie, dass Patienten sehr individuell auf Schmerzmittel reagieren. Deshalb ist es wichtig, diese persönlich anzupassen und zu kontrollieren. Die WHO hat eigens dafür ein Stufenschema erarbeitet.

Physiotherapie

Die Physiotherapie ist ein wichtiger Verbündeter im Kampf gegen die Arthrose, denn sie arbeitet mit zwei Methoden, die beide unerlässlich sind:

zum einen mit den physikalischen Massnahmen, die helfen, die Schmerzen zu bekämpfen und das Wohlbefinden wiederherzustellen. Darunter fallen zum Beispiel das Kühlen mit Eis, die Kompression, der Reizstrom, Wärme und so weiter.

Zum anderen arbeitet die Physiotherapie mit den Mitteln der Krankengymnastik. Diese hilft, die Funktion wiederherzustellen und geht weit über das einfache Mobilisieren hinaus. Die Stabilität, die Kraft und der Bewegungsablauf sind ebenso Teil der Therapie.

Infiltrationen

Als Ergänzung zu den obigen Massnahmen kann es nötig werden, ein Gelenk zu infiltrieren. Meistens geschieht das mit einer Mischung aus Kortison und lokalem Betäubungsmittel, die ins Gelenk gespritzt werden. Dies ist eine einfache und sehr effektive Methode, um ein Gelenk zu beruhigen. Weil das Kortison im Gelenk bleibt und sich nicht im Körper verteilt, hat es auch nicht die Nebenwirkungen der Kortisontablette, die über lange Zeit genommen wird.

Operative Behandlung

Arthroskopie

Die Gelenkspiegelung am Ellenbogen hat enorme Fortschritte gemacht. Wegen der Armnerven und der Gefässe in der Nähe ist sie aber noch immer eine operative Herausforderung, und es ist wichtig, dass Ihr Orthopäde genau weiss, was er tut. Der grosse Vorteil der Spiegelung ist, dass man das Gelenk nicht öffnen muss. Dadurch sind Narbe und Weichteilverletzung geringer, und die Übersicht im Gelenk ist deutlich grösser. Die meisten Eingriffe können heute sowohl offen als auch arthroskopisch durchgeführt werden. Die Arthrose kann dann behandelt werden, wenn es sich um einen einzelnen kleinen Knorpeldefekt handelt. Man kann dann mit einer sogenannten Mikrofrakturierung den darunter liegenden Knochen «anfrischen» und so dazu bringen, dass er einen Ersatzknorpel bildet. Eine fortgeschrittene oder generalisierte Arthrose kann man nicht heilen, aber man kann ihre Folgen lindern. Zum Beispiel kann man lose Gelenkskörper mit der Arthroskopie entfernen und das Gelenk mit einem Débridement reinigen. Dadurch werden die Symptome oft für lange Zeit gebessert. Ausserdem kann man ein steifes Gelenk beweglich machen, indem man arthroskopisch die Gelenkkapsel löst.

Resektion

Wenn eine Arthrose isoliert die Speiche betrifft, zum Beispiel als Folge eines Bruchs des Radiusköpfchens, dann ist es möglich, dieses Köpfchen operativ zu entfernen und so die Arthrose zu behandeln. Dies ist möglich, weil die Speiche am Ellenbogen kein krafttragendes Gelenk bildet.

Interposition

Ein interessanter, wenn auch nicht neuer Ansatz, die Arthrose am Ellenbogen zu behandeln, ist das Interponat. Hierbei wird zwischen die beiden abgenützten Gelenkpartnern eine Gleitschicht operativ eingebracht. Als Gleitschicht dienen grosse Sehnen (zum Beispiel Teile der Achillessehne) oder die Fascia lata, eine derbe Faszie am Oberschenkel. Sie wandeln sich mit der Zeit um in ein fibröses Gewebe, das im Gelenk wie eine Gleitschicht wirkt. Diese Operation wird vor allem bei jungen Patienten mit einer schweren, destruierenden Arthrose angewendet und kommt glücklicherweise nur sehr selten zum Zug.

Ellenbogenprothese

Auch am Ellenbogen gibt es seit ungefähr den Achtzigerjahren brauchbare Prothesen. Die Entwicklung dazu dauerte sehr lange und wurde vor allem durch den aussergewöhnlichen Bernard F. Morrey vorangetrieben (sein Sohn Mark ist regelmässig Instructor am Basel Ellbow Surgery Course). Morrey musste bei der Entwicklung seiner Prothese ungewöhnliche Herausforderungen bewältigen, da die Kräfte, die am Ellenbogen wirken, zugleich subtil und gewaltig sind. Deshalb war die Prothese erst stabil brauchbar, als sie eine besondere Abstützung am Oberarm erhielt, und anders als bei den meisten Prothesen wurden die Gelenkpartner fest miteinander verbunden. Dennoch ist diese Prothese nicht gleichzusetzen mit einer Schulter- oder gar Hüftprothese, denn man kann sie nur mit maximal 5 kg belasten. Das heisst, schon im Haushalt ist man damit ziemlich eingeschränkt, an Sport oder körperliche Arbeit ist kaum noch zu denken.

Arthrodese

Die Gelenkversteifung ist die letzte Option, wenn sonst gar nichts mehr geht, aber ein Patient immer Schmerzen hat. Wichtig ist es, den richtigen Winkel für die Versteifung am Ellenbogen zu finden, damit ein Patient damit noch möglichst viel machen kann. Dieser Winkel hängt ab von der Funktion der Schulter und des Handgelenks. Meist beträgt er zwischen 90 und 110 Grad. Die Arthrodese ist sicher ein sehr einschneidender Eingriff, aber man staunt zum Teil, was die Patienten danach noch alles machen können.

WIR BERATEN SIE GERNE PERSÖNLICH

Unsere Ärzte weisen langjährige Erfahrung und hohe Kompetenz in der Sport- und Gelenkchirurgie auf. Dr. med. Gregor Szöllösy ist ausgewiesener Schulter- und Ellenbogen-Experte und verfügt über grosses Know-how auf dem Gebiet des künstlichen Schultergelenks. Er ist zudem Lehrer am Basler Ellenbogenkurs.