Knieprothesen (Kniegelenksendoprothese)

Die Implantation einer Kniegelenksendoprothese hat das Ziel, Schmerzfreiheit sowie die Bewegungs- und Gehfähigkeit wiederherzustellen. Ein künstliches Gelenk kann aber nie vollständig die Perfektion des natürlichen Gelenks ersetzen. Man muss sich immer bewusst sein, dass es sich um ein künstliches Gelenk handelt, das entsprechend der Mechanik Geräusche verursachen und sich auch abnutzen kann, je mehr man es belastet. Der Arzt erläutert Ihnen die Operation und den Verlauf im Voraus. Er wird Ihnen auch erklären, welche Art von Knieprothese eingesetzt werden soll. Die genauen Verhältnisse im Gelenk werden aber erst während des Eingriffs vollständig sichtbar. Es ist also möglich, dass zu diesem Zeitpunkt Abweichungen vom regulär besprochenen Operationsverlauf auftreten können.

Knieprothese: Weichteilorientierter Oberflächenersatz

Dank der neuartigen Methode des weichteilorientierten Kniegelenk-Oberflächenersatzes können die Schmerzen deutlich gesenkt und die Lebensqualität massiv gesteigert werden. Bei dieser Methode wird den Seitenbändern des betroffenen Knies spezielle Beachtung geschenkt. Im Gegensatz zu den anderen Methoden, bei denen mithilfe des Computers oder mit Schnittschablonen darauf geachtet wurde, dass die Ober- und Unterschenkelachse im Lot stehen (achsenorientierte Methode), wird bei der weichteilorientierten Methode während der Operation die Kraft des Innen- und Aussenbands in gebeugter und gestreckter Stellung mit einem speziellen Weichteildruckmessgerät ermittelt. Vernarbte Seitenbänder werden so lange gelöst, bis das betroffene Knie bei gleicher Kraftanwendung auf das Innen- und Aussenband wieder gerade steht. So ist es möglich, den künstlichen Kniegelenk-Oberflächenersatz an die unterschiedlichen krankheitsbedingten Veränderungen des Kniegelenks individuell anzupassen. Erst wenn die Seitenbänder ausgeglichen sind und dabei das Bein gerade ist, wird der Oberflächenersatz, der nun den «neuen Knorpel» bildet, eingesetzt. Dadurch wird sichergestellt, dass der neue künstliche Kniegelenk-Oberflächenersatz gleichmässig belastet wird.

Die Vorteile dieser Knieprothese:

Weniger Schmerzen, eine bessere Beweglichkeit und Stabilität. Auch ist keine Blutspende vor der Operation nötig. Der Eingriff kann übrigens gleichzeitig an beiden Knien durchgeführt werden. Nach der Operation kann der Patient das operierte Knie sofort wieder belasten und bewegen. Der Klinikaufenthalt beträgt zwischen fünf und sieben Tagen resp. zehn Tagen bei beidseitigem Gelenkersatz.

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Diese Endoprothese wird implantiert, wenn das ganze Gelenk ersetzt werden muss, das heisst, wenn die gesamte Gelenkfläche von Unter- und Oberschenkelknochen zerstört ist. Die Seitenbänder, die der Erhaltung des natürlichen Bewegungsablaufs dienen, bleiben bestehen.

Knieprothese OberfläschenersatzKnie von vorne
Knieprothese OberfläschenersatzKnie von der Seite
 

Röntgenbild Knie vor der Operation Röntgenbild Knie vor der Operation
 

Knieprothese OberfläschenersatzRöntgenbild Knie nach der Operation

 

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Die unikondyläre Endoprothese – auch Schlittenprothese oder Teilprothese genannt – kommt zum Einsatz, wenn nur eine Hälfte der Gelenkfläche erkrankt ist und das Kniegelenk keine ausgeprägte Fehlstellung (O-Bein, X-Bein) aufweist. Die gesunden Teile des Gelenks bleiben bestehen.

Teilweiser OberflächenersatzKnie von vorne

Teilweiser OberflächenersatzKnie von der Seite
 

Teilweiser Oberflächenersatz Röntgenbild vor der Operation


Teilweiser Oberflächenersatz Röntgenbild nach der Operation

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Eine Sonderform davon ist die patellofemorale Endoprothese (Kniescheiben-Gleitlagerersatz). Dieses Implantat wird verwendet, wenn nur das Gleitlager zwischen Oberschenkelknochen und Kniescheibe ersetzt werden muss. Falls die Arthrose auf der Kniescheibenrückfläche fortgeschritten ist, muss diese durch einen entsprechenden Ersatz aus Kunststoff ersetzt werden. In diesem Fall spricht man von einem Kniescheiben-Rückflächenersatz.

Kniescheiben-Gleitlagerersatz Knie von vorne

Kniescheiben-Gleitlagerersatz Knie von der Seite

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Ich bin Allergiker. Zu welcher Knieprothese raten Sie mir?

Die normalen Knieprothesen bestehen aus Edelstahl. Edelstahl ist eine Legierung und besteht aus einem Gemisch von folgenden Komponenten: Kobalt, Chrom, Molybdän und Nickel. Circa 10% der Bevölkerung ist sensibel auf Nickel. Das heisst, bei Kontakt mit Nickel reagiert die Haut mit einer Rötung. Diese Rate an Sensibilisierung auf Nickel nimmt stetig zu. Bei Personen, die schon viele Allergien haben und eine Knieprothese benötigen, lohnt es sich einen entsprechenden Allergietest durchzuführen. Hierbei werden die Metall-Komponenten der verwendeten Knieprothese einzeln auf der Haut getestet. Dieses wird durch einen erfahrenden Dermatologen (Hautarzt) durchgeführt. Falls diese Untersuchung positiv ausfällt, sollte unbedingt eine sogenannte „Allergie“-Knieprothese verwendet werden.

Kann ich mit einem künstlichen Kniegelenk wieder Skifahren?

Ja, ich habe viele Kunden, die nach dem erfolgreichen Einsetzen eines künstlichen Kniegelenkes wieder Skifahren. Sie müssen aber neben einer guten Skiausrüstung und korrekter Einstellung, auch ihre Muskulatur entsprechend aufbauen. Nur wenn sie sich sicher fühlen, können Sie auf die Skipiste. Beim ersten Mal sollten sie darauf achten, dass die Schneeverhältnisse optimal sind. Bitte fahren sie als Einstieg zuerst eine einfache Piste, damit sie das Gefühl und Sicherheit wieder bekommen mit einem künstlichen Kniegelenk zu fahren. Schanzenspringen, Buckelpiste und hartgefrorene eisige schwere Pisten sollten vermieden werden. Wenn die Oberschenkelmuskulatur müde ist, dann ist es Zeit eine Pause einzulegen oder aufzuhören.

Ich benötige bald ein künstliches Kniegelenk. Kann ich etwas dazu beitragen, damit ich das Operationsergebnis positiv beeinflussen kann?

Ja, es gibt einige Möglichkeiten, wie Sie mithelfen können, damit es nach dem Einsetzten des künstlichen Kniegelenkes schnell wieder aufwärts geht. Zuerst müssen Sie sich 100% sicher sein, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für ein künstliches Kniegelenk ist. Ihr Orthopäde hat Sie ausführlich über die Operation informiert und Sie fühlen sich dort verstanden und aufgehoben. Nur miteinander kann ein gutes Resultat erzielt werden!

Es ist wichtig, dass Sie Ihre Kniegelenke bis zum Operationstermin weiter belasten und trainieren, denn je kräftiger die Muskulatur und je besser die Beweglichkeit vor der Operation sind, desto schneller sind Sie wieder auf den Beinen. Für den Muskelaufbau braucht es dreimal länger wie für dessen Abbau. Physiotherapie vor der Operation unterstützt die Muskulatur ebenfalls positiv. Zusätzlich können erste Übungen zeigen, wie Sie am besten an Gehstöcken gehen.

Studien belegen, dass die Stärkung des Immunsystems durch die Zugabe von Vitaminen und Proteinen vor und nach der Operation enorm wichtig ist, um die Komplikationsrate zu minimieren. Hierzu dienen gut verträgliche Nahrungsergänzungsmittel. Wir empfehlen zusätzlich kurz vor der Operation eine selbständige Reinigung des zu operierenden Hautbereichs mit entsprechenden Desinfektionstüchern. Diese Reinigung trägt zur Senkung des Infektionsrisikos bei.

Wichtig ist ebenfalls der Check-up bei Ihrem Hausarzt. Eine Blutarmut oder andere Einschränkungen sollten vor einer Operation ausgeschlossen und gegebenenfalls behandelt werden.

Alle oben erwähnten Massnahmen können das Operationsergebnis positiv beeinflussen. Im Zentrum für Gelenk- und Sportchirurgie werden die Patienten vor grossen Operationen wie z.B. künstlichen Kniegelenken oder Hüftgelenken auf diese Punkte speziell hingewiesen, individuell beraten und durch die Abgabe eines entsprechendes Merkblattes instruiert.

Was beeinflusst die Lebensdauer eines künstlichen Kniegelenkes?

Normalerweise hält ein künstliches Kniegelenk 10 bis15 Jahre. Die Lebensdauer eines künstlichen Kniegelenkes kann jedoch durch viele Faktoren negativ beeinflusst werden. Das können einerseits mechanische, aber auch immunologische Ursachen sein. Diese führen schliesslich zu einer Lockerung des künstlichen Kniegelenkes mit dadurch verbunden zunehmenden Belastungsschmerzen und Gangunsicherheit.  

Mechanische Ursachen

Mechanische Ursachen, die die Lebensdauer eines künstlichen Gelenkes negativ beeinflussen, sind die Mehrbeanspruchung des Gelenkes sowie Verschlechterung der ursprünglichen Verankerung des Gelenkes im Knochen. Bei der Überbeanspruchung des Gelenkes spielt die eigene Aktivität eine entscheidende Rolle. Je aktiver und vor allem je mehr gelenkbelastende Sportarten man ausübt, desto mehr wird die Verankerung der Unterschenkelkomponente vom künstlichen Gelenk belastet. Je mehr dieses belastet wird, desto schneller kann es locker werden. Man kann sich auch ein Nagel in der Wand vorstellen. Wenn dieser langsam hin und her bewegt wird,  bleibt er länger in der Wand, als wenn man diesen Nagel schneller hin und her bewegt. Eine Überbeanspruchung kann auch durch nicht optimale Platzierung des künstlichen Gelenkes eintreten. Des Weiteren kann sich die ursprüngliche Verankerung des künstlichen Kniegelenks im Knochen durch Zunahme der Osteoporose langsam verschlechtern oder durch einen Sturz bedingten Knochenbruch schnell verschlechtern. Beides führt zu einer Lockerung des künstlichen Kniegelenkes.

Immunologische Ursachen

Die immunologischen Ursachen, welche die Lebensdauer des künstlichen Kniegelenkes negativ beeinflussen sind Infektionen und Allergien.

Infektionen

Diese führen zu einer Aktivierung des Immunsystems mit Entzündung und Schwächung der Verankerung. Infektionen können während dem ganzen Leben das künstliche Kniegelenk bedrohen. Bakterien können über Wundverletzungen der Haut oder der Schleimhaut sowie durch Lungeninfektionen oder Blaseninfektion usw. in die Blutbahn gelangen und sich am künstlichen Kniegelenk niederlassen. Dort vermehren sie sich und führen zu einer Infektion. Das Heimtückische daran ist, dass man eine solche Infektion häufig erst nach einer längeren Zeit bemerkt. Sie manifestiert sich v.a. durch starke Schmerzen und eine Schwellung.

Allergien

Eine Allergie kann sich im Laufe des Lebens entwickeln: das Immunsystem wehrt sich gegen das Fremdmaterial, das aus Edelstahl besteht (Nickel, Chrom, Kobalt und Molybdän), oder dessen Knochenleim (Zement). Dieses führt zu einer nicht-infektiösen Entzündung des künstlichen Gelenks mit resultierender Lockerung vom Gelenk.

Bei neu auftretenden Belastungs- und Bewegungsschmerzen im künstlichen Kniegelenk, welche nach kurzer Zeit nicht weggehen, sollten unbedingt durch einen erfahrenen Kniespezialisten abgeklärt werden.

Muss ich meine Zähne sanieren lassen, bevor ich ein künstliches Kniegelenk erhalte?

Ja, unbedingt! Potentielle Infektionsherde sollten vor einem grösseren Eingriff behandelt werden. Im Mund haben wir viele Bakterien, die normalerweise keine Probleme verursachen. Wird jedoch die Schleimhaut verletzt oder sind schlechte Zähne vorhanden (kariöse Zähne), die sich zu einem Eiterzahn entwickeln, können Mundbakterien in die Blutbahn gelangen. Diese schwächen einerseits das Immunsystem und den Körper, was bei einer grossen Operation nicht förderlich ist. Andererseits können sich die Bakterien postoperativ im künstlichen Kniegelenk ablagern und sich vermehren. Das kann eine Infektion im neuen künstlichen Kniegelenk auslösen. Eine so verursachte Infektion des künstlichen Kniegelenkes ist selten, hat jedoch für die betroffene Person schwerwiegende Komplikationen zur Folge. Das infizierte künstliche Gelenk muss erneut operiert und durch eine lange Antibiotika Einnahme unterstützt werden. Schlägt die Therapie nicht an, muss das künstliche Kniegelenk komplett ausgebaut und zu einem späteren Zeitpunkt – wenn die Gelenksinfektion abgeheilt ist – eine neue Knieprothese eingebaut werden. Das belastet die Psyche und den Körper sehr. Hinzu kommt, dass das Resultat eines solchen künstlichen Gelenkes meist schlechter, mit mehr Schmerzen und weniger Beweglichkeit verbunden ist.

Zahnärztliche Kontrolle vor jeder grossen Operation empfohlen

Deshalb empfehlen wir vor einer grösseren Gelenkersatzoperation, die Zähne von einem Zahnarzt kontrollieren und gegebenenfalls sanieren zu lassen. Auch eine Dentalhygiene (DH) ist vor dem Eingriff empfehlenswert. Nach der Operation sollten Sie mindestens 3 Monate nicht zum Zahnarzt oder zur DH gehen, um mögliche Infektionen zu vermeiden.

Bei einem Notfall sollte eine Antibiotikaprophylaxe für die Behandlung in Betracht gezogen werden, in Abhängigkeit vom Zustand des Patienten (Immunsupression, Diabetes mellitus usw.) und der Art und Dauer des zahnmedizinischen Eingriffs. Der Zahnarzt sollte darüber informiert werden, dass Sie ein künstliches Gelenk haben. Für später folgende Behandlungen müssen keine weiteren Vorkehrungen getroffen werden. Stellt der Zahnarzt jedoch eine Infektion im Mundbereich fest, wird diese durch den Zahnarzt entsprechend antibiotisch behandelt.

Weiterhin ist es wichtig, auf eine sehr gute Zahn- und Mundhygiene zu achten und diese regelmässig, mittels zahnärztlicher Vorsorgekontrollen prüfen zu lassen.

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